Bujinkan trifft Fechten
- Kurome Dojo

- 14. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Jan.

Am 19. und 28. November kamen die Abteilungen Bujinkan und Fechten des TSV Trudering e.V. im Rahmen ihrer Trainingseinheiten zu gegenseitigen Besuchen zusammen.
Neben dem Interesse daran, was sonst noch im TSV Trudering trainiert wird, ging es vor allem darum, andere Ansätze kennenzulernen und Trainingsmethoden zu vergleichen, die auf ganz unterschiedlichen Voraussetzungen basieren. Auf der einen Seite steht eine Kriegskunst, deren Anwendung auf den mittelalterlichen Schlachtfeldern Japans geprägt wurde, auf der anderen Seite eine moderne Sportart mit einem klar abgesteckten Regelwerk. Umso erstaunlicher war es für die Teilnehmer dieses Crossover-Trainings, wie nah sich die grundlegenden Prinzipien dennoch sind und wie viel sich davon gegenseitig übertragen lässt. Gerade dieser direkte Austausch eröffnete neue Perspektiven und sorgte für einige Aha-Momente, die auch für das eigene Training wertvolle Impulse lieferten.
Das nächste gemeinsame Training dürfte nicht lange auf sich warten lasssen.
Hier die Eindrücke aus der Sicht der jeweils Besuchenden:
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Fechten im Bujinkantraining
Im Haus der Krieger
Von den japanischen Kampfkünsten geht eine seltsame Faszination aus. Woher kommt das Bild der sich dramatisch gegenüberstehenden Samurai kurz vor dem Duell – hat es die Popkultur mit ihren zahllosen Martial-Arts-Filmen erschaffen? Oder steckt dahinter doch eine uralte Tradition? In jedem Fall erzeugt Halb- und Unwissen auch eine gewisse Neugier. Diese Neugier hat auch zum Austausch der Fechtabteilung mit der Abteilung Bujinkan geführt: aus einem Gespräch beim Sommerfest wurden bald Pläne und feste Termine. Am 19. November besuchten schließlich wir Fechterinnen und Fechter die Halle der Bujinkan-Sportler.
Anders als erwartet begann das Training nicht sofort mit dem Erwärmen, sondern mit einem Begrüßungsritual. Es war spürbar, dass Respekt und Achtsamkeit eine besondere Rolle zukamen. Das Ritual machte es auch einfacher, sich vollkommen auf das Training zu konzentrieren.
Die erste Technik, die es zu lernen galt, war das Abrollen. Da Rollen nicht unbedingt zum Standardrepertoire des Fechtens gehört, waren einige von uns nicht ganz schwindelfrei - dafür war die Übung essenziell, um ein besseres Körpergefühl zu entwickeln. Das Bewusstsein für die eigene Körperstellung und die des Gegenübers ist in beiden Sportarten von großem Vorteil. Außerdem wurde schnell klar, dass Bujinkan weit mehr als Schwertkampf ist. Die Disziplin vereint gleich mehrere Kampfsysteme, die vom waffenlosen Kampf mit Würfen, Tritten und Hebeln bis hin zum Gefecht mit dem Speer reicht. Das Training wurde deshalb mit weiteren Techniken ohne Schwert fortgesetzt. Es war anfangs ungewohnt, dem Partner ohne Waffe gegenüberzustehen. Doch wir waren überrascht, wie viel Kraft aus der richtigen Griff- und Hebeltechnik entwickelt werden konnte, und das auch bei deutlichen Größenunterschieden.
Schließlich kamen wir nicht umhin, zur Waffe zu greifen. Zu groß war die Anziehungskraft der an der Hallenwand lehnenden Holzschwerter. Diese Übungswaffen, auch Bokken genannt, sind im Gegensatz zu den Stichwaffen Florett oder Degen auf den Hieb ausgelegt. Sie werden mit beiden Händen geführt. Zuerst wurden uns die möglichen Grundstellungen gezeigt, um daraufhin mit einem Partner verschiedene Katas auszuführen. Ein Kata lässt sich als feste Bewegungsabfolge begreifen, die eine bestimmte Gefechtssituation beschreibt. Deshalb müssen sich beide Partner an die korrekte Abfolge der Aktionen halten, um die Übung erfolgreich durchzuführen. Das ist auch für die Sicherheit der Beteiligten wichtig: im Bujinkan wird nämlich keine Schutzausrüstung getragen. Bei einem Angriff wird das Bokken daher stets kurz vor dem Ziel gestoppt oder nur leicht am Körper des Partners entlanggeführt, um zum Beispiel einen Schnitt anzudeuten.
Ob mit oder ohne Schwert: Das Bewusstsein für die eigene Position im Raum sowie die Mensur, der Abstand zum Gegner, sind immer entscheidend.
Überraschend am Bujinkan war für einige von uns, dass es kein Punktesystem gibt. Im Sportfechten sind wir es gewohnt, Wettkämpfe mit klarem Ausgang auszutragen. Im Bujinkan gibt es dagegen keinen Sieg und keine Niederlage im einfachen Sinn. Stattdessen liegt der Fokus auf der Selbstbeherrschung und persönlichen Entwicklung aller Teilnehmer. Ein Sieg besteht hier nicht darin, im Wettkampf zu gewinnen, sondern bei jedem Training über sich selbst hinauszuwachsen. Diese Mentalität ist auch im Sportfechten von größter Bedeutung, da sie es ermöglicht beim Üben zu experimentieren und Fehler zu machen, ohne die es keine Verbesserung geben kann.
Insgesamt war der Austausch eine sehr bereichernde Erfahrung. Die Prinzipien des Bujinkan werden seit Jahrhunderten unverändert überliefert und bilden damit zunächst einen Kontrast zu den sich wandelnden Techniken des Sportfechtens. Dennoch sind sich viele Grundelemente, wie zum Beispiel der Ausfall, verblüffend ähnlich - und das, obwohl das heutige Sportfechten seine Ursprünge in den europäischen Kampfkünsten hat. Ganz unabhängig von Waffe und Disziplin bleiben auch viele Begriffe identisch: Tempo, Mensur, Finte... spätestens hier wird klar, wie nahe sich alle Kampfkünste stehen. Wir bedanken uns herzlich bei allen Trainerinnen und Trainern der Abteilung Bujinkan für die wertvollen Einblicke, die ihr uns gegeben habt.
Mit herzlichem Fechtgruß,
Emil Pogolski
Abteilung Fechten
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Bujinkan im Fechttraining
Vor Kurzem waren wir zum Gegenbesuch bei der Fechtabteilung des TSV Trudering zu Gast. Dort durften wir eine Sportart kennenlernen, die auf den ersten Blick weit vom Bujinkan entfernt scheint, sich im Training jedoch als überraschend nah und vertraut erwies.
Nach einer kurzen Einführung starteten wir mit der Grundstellung. Bereits hier zeigten sich deutliche Parallelen zu unserer eigenen „Kamae“. Auch die ersten Schritte nach vorn und zurück fühlten sich schnell vertraut an. Zwar arbeitet das Fechten stärker mit klaren Linien und weniger mit Winkelarbeit als das Bujinkan, doch das Ziel ist dasselbe: stabile Balance, saubere Distanz, Anpassung an den Rhythmus des Gegenübers und jederzeitige Handlungsbereitschaft.
Anschließend ging es an das Zustechen. Schritt, Ausfall, Treffer – zumindest in der Theorie. In der Praxis lag der Fokus zunächst auf dem richtigen Distanzgefühl. Mithilfe von Matten an der Wand konnten wir die Reichweite des Floretts einschätzen und ein Gefühl für den sauberen Stich entwickeln.
Für die Gefechte wechselten wir anschließend auf den Degen, der fester und schwerer ist als das Florett. Die Regeln sind klar: Der gesamte Körper zählt als Trefferfläche. Nach kurzer Eingewöhnung erhielten wir die komplette Schutzausrüstung und wurden an die Fechtbahn angeschlossen. Mit echter Trefferanzeige zu fechten, sorgte für zusätzliche Spannung und Motivation. Neben Gefechten untereinander konnten wir auch gegen erfahrene Fechterinnen und Fechter antreten. Gefechte gingen bis zu fünf Treffern oder maximal drei Minuten – und schnell wurde deutlich, wie fordernd diese Sportart ist. Hohe Konzentration, permanente Bewegung und präzise Aktionen verlangen einiges an Ausdauer. Treffer zu setzen ist anspruchsvoll: Nur ein sauberer Stich mit der Spitze zählt. Im Kampf agierten wir zunächst eher defensiv – ein gezielter Angriff (im Fechten der Ausfall, im Bujinkan ein Tsuki) und bei Misserfolg sofort zurück in eine sichere Position. Gleichzeitig erfuhren wir, dass Gefechte gerade in kurzer Distanz deutlich dynamischer und chaotischer verlaufen können, wenn beide Seiten gleichzeitig Druck machen.
Besonders spannend war zu erleben, wie sehr uns unser eigenes Training unterstützte. Die Schwertarbeit im Bujinkan, das Üben klarer Linien und stabiler Kamae bildeten eine solide Grundlage. So konnten wir mit einem guten Körpergefühl einsteigen, auch wenn die Präzision von Degen und Florett eine ganz eigene Herausforderung darstellt.
Der Abend verging wie im Flug – geprägt von neuen Eindrücken, sportlichen Herausforderungen und einem offenen, freundlichen Austausch. Kurz gesagt: Es hat großen Spaß gemacht. Wir freuen uns darauf, diesen Kontakt weiter zu vertiefen und auch in Zukunft gemeinsame Trainingsimpulse auszutauschen
Oliver Bartos
Abteilung Bujinkan



























