Bo-Seminar in München
- Kurome Dojo

- 20. Sept. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Am 7./8. September hat das Bujinkan München ein Bo-Seminar ausgerichtet. Das Seminar wurde nicht nur von Stefan Filus und Max Scheungrab aus unseren Dojos geleitet; wir haben uns mit Stefan Kiss auch einen externen Lehrer zur Unterstützung organisert. Stefan Kiss, Shihan aus Ludwigsburg, hat sich bei zahlreichen Japan-Aufenthalten auch ein umfangreiches Wissen im Umgang mit Waffen angeeignet. Dementsprechend war Stefan die ideale Ergänzung für das Bo-Seminar.
Der Bo (棒) ist in gewisser Weise eine besondere Waffe im Bujinkan. Der Bo ist, anders als z. B. Yari oder Naginata, eine Waffe aus den Grundlagen und taucht - zumindest in unserem Curriculum - im Schülerhandbuch auf, sodass jeder Schwarzgurt grundlegene Kenntnisse im Bojutsu vorweisen kann. Da der Uke aber gewöhnlich mit einem Schwert bewaffnet ist, hat man mit einem ca. 1,80m langen Stab einen deutlichen Reichweitenvorteil. Das mag manch einen zu dem Gedanken verleiten, dass es dieser Vorteil für den Bo-Kämpfer sehr einfach macht und der Schwertkämpfer kaum eine Chance hat. Wer aber schon mehr als ein Mal ein Schwert in der Hand hatte, weiß über den eigenen Nachteil und versucht die Distanz bestmöglich zu verkürzen. Hat der Schwertkämpfer dann noch die notwendigen Skills, wird der Reichweitenvorteil schnell zum Nachteil. Denn hat man mit dem Schwert die Distanz zum Bo erst einmal überbrückt, ist man als Bo-Kämpfer plötzlich im Nachteil.
Genau das macht es beim Bo aber auch so wichtig, dass Uke weiß, was er zu tun hat, um den Ablauf der Techniken zu verstehen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Bo nur etwas für Fortgeschrittene ist: Hat man das erste Mal einen Bo in der Hand, gilt es erst einmal, das richtige Handling und die passende Distanz mit dem Bo zu finden. Als Steigerung kann man Techniken an einem stationären Uke üben, bevor sich dieser dann bei Blocks auch bewegen kann. Als letzten Schritt kann Uke dann den "Vorwärtsgang" einlegen und nicht nur defensiv ausweichen, sondern auch aktiv die Distanz verkürzen - womit wir bei dem oben beschriebenen Szenario wären.
Dieser Ansatz wurde dann auch beim Seminar genutzt, denn auch wenn die Shoden Gata des Kukishinden Ryu Bojutsu das Hauptthema des Seminar war, ging es aber auch um die Vermittlung von Grundfertigkeiten mit dem Bo. Dass Bojutsu in der Kukishinden Ryu einen besonderen Fokus auf Grundfertigkeiten legt, lässt sich übrigens auch daran erkennen, dass vor der Shoden Gata - also dem ersten Level - noch die "Keiko Sabaki Gata" steht, mit 25 (!) Techniken. Beim Seminar wurden aber nicht die 25 Techniken der Keiko Sabaki Gata unterrichtet, sondern allgemeine Grundfertigkeiten - wie z. B. Distanz und Handling, wie oben beschrieben - gezeigt. Dies aber natürlich angepasst auf das jeweilige persönliche Niveau. Das hat dafür gesorgt, dass zum einen niemand überfordert, aber zum anderen auch niemandem langweilig wurde. Dass die Shoden Gata auch noch vollständig unterrichtet wurde, war dann noch das Highlight des Seminars.
Wir freuen uns schon auf das nächste Waffenseminar - und auch auf das nächste Seminar mit Stefan Kiss.




