Josei no Goshinjutsu – Die Essenz des Bujinkan?
- Bujinkan München

- 7. März
- 2 Min. Lesezeit
Am 21. und 22. Februar 2026 durften wir Raphaela Simon für das Seminar „Josei no Goshinjutsu“ in unserem Dojo in München-Trudering begrüßen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Dojos kamen zusammen, um ein Thema zu vertiefen, das zwar im Bujinkan allgegenwärtig ist, aber nur selten bewusst im Mittelpunkt eines Seminars steht.

Der japanische Begriff Josei no Goshinjutsu (女性の護身術) bedeutet wörtlich „Selbstverteidigung für Frauen“. Wer dabei an einen klassischen Selbstverteidigungskurs denkt, liegt jedoch daneben. Das Seminar vermittelte keine Sammlung von Standardtechniken für bestimmte Gefahrensituationen. Stattdessen zeigte Raphaela, wie Kampfkunst auch dann wirksam bleibt, wenn körperliche Kraft nicht der entscheidende Faktor ist.
Im Mittelpunkt standen Prinzipien wie präzises Timing, ein Verständnis für Körperstruktur, Distanz und Rhythmus sowie ein natürlicher Fluss der Bewegung. Genau diese Aspekte bilden den Kern des Bujinkan und ermöglichen es, auch gegen körperlich überlegene Gegner effektiv zu handeln.
Raphaela brachte dabei ihre langjährige Erfahrung im Bujinkan ebenso ein wie ihre Arbeit als Trainerin für Selbstbehauptungskurse. Geprägt durch viele Jahre intensiven Trainings und einen längeren Aufenthalt in Japan vermittelte sie selbst komplexe Zusammenhänge verständlich, praxisnah und mit einer Offenheit, die zum Ausprobieren und Hinterfragen einlud. Ihr nahbarer Unterrichtsstil sorgte dafür, dass konzentriertes Lernen und eine entspannte Atmosphäre Hand in Hand gingen.
Ein wichtiger Gedanke des Seminars war, dass Josei no Goshinjutsu ausdrücklich kein Frauen-Selbstverteidigungsseminar ist. Vielmehr vermittelt es Bujinkan aus der Perspektive einer körperlich unterlegenen Person. Gerade deshalb waren Männer ausdrücklich eingeladen – für viele von ihnen bedeutete es eine ungewohnte, aber äußerst wertvolle Erfahrung, sich nicht auf ihre körperliche Kraft verlassen zu können.
Dabei wurde deutlich, dass diese Perspektive weit über die Frage von Mann oder Frau hinausgeht. Körperliche Unterlegenheit kann viele Ursachen haben: Alter, Krankheit, Verletzungen oder schlicht die individuelle Konstitution. Wer lernt, sich nicht auf Kraft zu verlassen, entwickelt kein „schwächeres“ Taijutsu – sondern ein präziseres. Prinzipien wie Timing, Distanzgefühl und Strukturverständnis bleiben auch dann erhalten, wenn körperliche Stärke mit den Jahren nachlässt.
So warf das Seminar immer wieder eine grundlegende Frage auf: Was ist eigentlich das Ziel unseres Trainings? Geht es darum, sich in einem sportlichen Wettkampf mit einem gleich starken Partner durchzusetzen? Oder geht es darum, Bewegungsprinzipien so zu verstehen, dass sie unabhängig von körperlichen Voraussetzungen funktionieren? Josei no Goshinjutsu machte deutlich, dass die Essenz des Bujinkan nicht in Kraft liegt, sondern in Bewegung, Struktur und dem Verständnis für den richtigen Moment.
Neben den intensiven Trainingseinheiten blieb natürlich auch Zeit für den persönlichen Austausch. Beim gemeinsamen Abendessen am Samstag und dem gemeinsamen Brunch am Sonntag wurden Erfahrungen geteilt, neue Kontakte geknüpft und viele interessante Gespräche geführt.
Wir bedanken uns herzlich bei Raphaela Simon für ein inspirierendes Wochenende voller neuer Perspektiven und Denkanstöße sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die offene und motivierte Trainingsatmosphäre. Das Seminar hat eindrucksvoll gezeigt, dass Josei no Goshinjutsu kein Spezialthema für wenige ist, sondern einen wichtigen Zugang zur Essenz unserer Kampfkunst eröffnet – unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlichen Voraussetzungen.



























